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Champions Cup 2026/27: Ein Turnier im Krisenmodus

  • Autorenbild: Jonas Henschler
    Jonas Henschler
  • vor 7 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Kurzfristige Regeländerungen, Rückzüge und offene Fragen, der internationale Dachverband (iff) steht unter Zugzwang.



Der Champions Cup hat in den vergangenen Wochen mehr Negativschlagzeilen produziert als sportliche Vorfreude. Was als prestigeträchtiger Vereinswettbewerb des europäischen Floorballsports konzipiert ist, steckt vor dem Saisonstart in einer handfesten Glaubwürdigkeitskrise und ein Ende der Turbulenzen ist noch nicht in Sicht.


Alles begann mit einer Formatänderung

Bereits im Mai wurde bekannt, dass gleich vier schwedische Teilnehmer: Storvreta, IBF Falun, Thorengruppen und FBC Kalmarsun, ernsthaft einen Boykott des Wettbewerbs in Betracht gezogen hatten. Auslöser war die wirtschaftliche Belastung durch Reisekosten, die für Klubteams ohne nennenswerte externe Finanzierung kaum tragbar sei.

Die IFF reagierte: Die Spielzeit wurde auf 3×15 Minuten reduziert, die Kadergröße auf 14 Spielerinnen und Spieler begrenzt. Als Begründung verwies der Verband auf Erfahrungen mit dem World-Games-Format und auf die ab 2027 geplante, überarbeitete Wettbewerbsstruktur, in die das neue Format eingebettet werden solle.

Doch die Lösung schuf neue Probleme und traf dabei nicht nur die Schweden.


Schweiz:

HC Rychenberg Winterthur, Schweizer Meister 2025/26 und Floorball Thurgau, Schweizer Cupsieger 2025/26, hatten ihre Teilnahme auf Basis der ursprünglichen Wettbewerbsbedingungen geplant: Spiele über 3×20 Minuten, Kader mit 20 Spielern. In einer gemeinsamen Medienmitteilung vom 12. Juni 2026 machen die beiden Schweizer Klubs ihrem Unmut unmissverständlich Luft.

„Mit großem Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der IFF kurzfristig wesentliche Änderungen am Wettbewerbsformat beschlossen hat", heißt es darin. Besonders schwer wiegt für die Vereine, dass sie in diesen Entscheid nach eigenen Angaben zu keinem Zeitpunkt einbezogen wurden. „Von einem gemeinsamen Entscheid kann deshalb keine Rede sein”, eine direkte Replik auf die Darstellung von IFF-Präsident Filip Šuman vom 8. Juni, der von einem abgestimmten Prozess gesprochen hatte.

Inhaltlich kritisieren die beiden Klubs vor allem die sportlichen und organisatorischen Konsequenzen: Ein auf 14 Spieler reduzierter Kader, kombiniert mit einem ohnehin engen Terminplan parallel zur nationalen Meisterschaft, stelle ein erhebliches Verletzungsrisiko für die Athletinnen und Athleten dar. Kaderplanungen, die auf den bisherigen Rahmenbedingungen basierten, müssten nun kurz vor Saisonbeginn vollständig neu bewertet werden.

Ausdrücklich positiv hoben Rychenberg und Thurgau hingegen die Zusammenarbeit mit swiss unihockey hervor: Der Austausch mit dem Schweizer Verband und den betroffenen Vereine sei stets offen, transparent und konstruktiv verlaufen. Die Kritik richtet sich klar an die IFF, nicht an den nationalen Verband.

Ihre endgültige Haltung zur Turnierteilnahme wollen die beiden Vereine in den kommenden Tagen bekanntgeben.


Schweden:

Auch aus Schweden kommen weiterhin kritische Stimmen. Storvretas Mannschaftskapitän Otto Weidman hatte das Vorgehen der IFF bereits als „beschämend" bezeichnet. Kalmarsunds Trainer Martin Brückner legte gegenüber der Barometern nach: Er halte die Formatänderung für „wirklich bescheuert" und sehe keinen Mehrwert darin, drei Tage nach Finnland zu reisen, um dann 25 Prozent weniger Spielzeit zu absolvieren. Dass Teams ganze Playoffs mit nur zwei Fünferreihen bestritten hätten, zeige, dass ein reduzierter Kader kein zwingendes Argument sei.


Finnland:

Die bisher folgenschwerste Konsequenz zog TPS Turku. Die finnischen Damenmeister, die im Viertelfinale auf FBC Kalmarsund getroffen wären, haben ihre Teilnahme am Champions Cup zurückgezogen. In einer Pressemitteilung nannte der Verein zwei Hauptgründe: erstens die nachträgliche Änderung des Formats nach Ablauf der Anmeldefrist, die dazu geführt hätte, dass ein erheblicher Teil des Kaders, der den Sommer über gezielt auf das Turnier hingearbeitet hatte, nicht hätte eingesetzt werden können. Zweitens die finanzielle Konstruktion, bei der die Reisekosten zunächst vom Verein vorzufinanzieren gewesen wären, bevor eine Erstattung über die Verbände erfolgt. Selbst Heimspieleinnahmen hätten die Organisationskosten nicht gedeckt.

„TPS ist der Ansicht, dass die grundlegenden Bedingungen eines Wettbewerbs nicht geändert werden sollten, nachdem die Klubs ihre Entscheidungen auf Basis der ursprünglichen Informationen getroffen haben", schrieb der Verein. Geschäftsführer Janne Kytölä sprach von der „richtigen Entscheidung, sowohl für das Team als auch für die Spieler."

Den vakanten Platz lehnte Classic, finnischer Vizemeister, ebenfalls ab. Der Verein verwies auf dieselben Kritikpunkte: veränderte Förderstruktur, verkürzte Spielzeit und reduzierte Kadergrösse.

Im Viertelfinale der Damen (Norden) steht damit ein Platz offen: FBC Kalmarsund hat derzeit keinen Gegner.


Der Spielplan steht, die Teams nicht so ganz....

Ungeachtet der Unruhe hat die IFF die Auslosung vorgenommen. Die Viertelfinale im Norden werden zwischen dem 22. und 30. August ausgetragen, jene im Süden vom 22. September bis 1. Oktober. Die Halbfinale sind für den Zeitraum 27. Oktober bis 5. November angesetzt, das Finale findet am 23. und 24. Januar 2027 statt.

Im Süden treffen bei den Herren Floorball Thurgau auf Florbal MB sowie Tatran Střešovice auf HCR Winterthur, beide Schweizer Vereine also genau jene Vereine, die in ihrer gemeinsamen Medienmitteilung ihre weitere Teilnahme noch offen ließen.


Und nun?

Was der Champions Cup in diesem Sommer offenbart, ist ein strukturelles Problem: Zwischen dem Anspruch der IFF, den europäischen Vereinsfloorball weiterzuentwickeln, und den wirtschaftlichen wie organisatorischen Realitäten der teilnehmenden Vereine klafft eine deutliche Lücke. Dass Formatänderungen nach Ablauf der Anmeldefristen und ohne Einbezug der Betroffenen kommuniziert werden, untergräbt das Vertrauen und kostet am Ende Startplätze.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob weitere Vereine ihre Teilnahme überdenken. Der Champions Cup braucht dringend Stabilität!


Quellen: innebandymagazin.net; Gemeinsame Medienmitteilung HC Rychenberg Winterthur und Floorball Thurgau, 12. Juni 2026


Foto: Pavel Netolicka | www.instagram.com/pavel_netolicka


 
 
 

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