Neue Saison, neue Regeln: Das ändert sich 2026
- Lukas Müller

- vor 1 Tag
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Mehr Schutz für die Torhüter, weniger Tricks beim Penalty und ein aufgeräumtes Bild an der Bande. Wir ordnen das neue Regelwerk SPRGK 2026 ein.
Wer das ganze Kapitel von vorne bis hinten lesen will, findet bei Floorball Deutschland (oder weiter unten) eine offizielle Synopse (einen Vergleich 🙂), also den alten und neuen Wortlaut direkt nebeneinander, samt Begründung des Verbandes zu jedem Punkt. Wir picken hier die Änderungen heraus, die ihr auf dem Feld und auf der Bank am ehesten merken werdet. Drei große Themen ziehen sich durch die Reform: die Sicherheit der Torhüter, mehr Tempo im Spiel und ein ruhigeres Bild in der Wechselzone.
Mehr Schutz für die Torhüter
Bei der Regel 605.6 (unvorsichtiger Körpereinsatz) liegt die Verantwortung jetzt klar beim Angreifer. Wer in den Torraum zieht, muss sich aktiv bemühen, einen Kontakt mit dem Torhüter zu vermeiden. Unterlässt er das, ist es ein Vergehen, solange der Kontakt nicht wirklich nebensächlich ist.
Die Regel 507.8 (Schutzraumvergehen) wird ebenfalls schärfer. Bisher zählte vor allem das Stehen im Schutzraum. Künftig ist auch das bloße Durchlaufen ein Vergehen. Neu ist auch der klarstellende Satz, dass die Linien zum Schutzraum gehören. Der Raum vor dem Tor gehört damit so deutlich wie nie allein dem Torhüter.
Dazu kommt mit Regel 507.7 ein ganz neuer Tatbestand. Wer als Angreifer dem Torhüter aktiv und wiederholt hinterherläuft, nur um ihm die Sicht zu nehmen, ohne selbst am Ball interessiert zu sein, wird bestraft. Die Sicht verstellen ist weiter erlaubt, das reine Verfolgen des Torhüters nicht mehr.
Mehr Tempo, weniger Show beim Penalty
Die auffälligste Änderung für jeden, der ein Penaltyschießen verfolgt, betrifft den Startpunkt. Nach Regel 508.2 beginnt der Penalty auf dem Großfeld nicht mehr am Mittelpunkt, sondern an einem gedachten Punkt fünf Meter näher am Tor. Der Schütze hat damit weniger Strecke für Showeinlagen, die Aktion kommt schneller zum Abschluss. Startet der Spieler den Ball mit dem Fuß statt mit dem Stock, wird der Penalty wiederholt.
Gleich daneben verschwindet ein echter Klassiker. Der sogenannte Zorro, bei dem der Ball unbeweglich auf der Schaufel liegt und in der Luft mehr als einmal die Richtung wechselt, ist beim Penalty nach Regel 508.4 nicht mehr erlaubt. Die IFF begründet das mit der Balance zwischen Schütze und Torhüter. Wenn fast jeder zweite Strafstoß über denselben Trick läuft, verliert der Penalty seinen Reiz. In Schweden und der Schweiz wurde die Änderung bereits getestet, mit überwiegend positivem Echo.
Auch das Penaltyschießen selbst wird entschlackt. Die schriftliche Vorabmeldung der Schützen entfällt (Regel 204). Die ersten fünf Strafstöße müssen weiter von fünf verschiedenen Spielern kommen, danach darf jeder ran, auch mehrfach hintereinander. Damit dürfen die besten Schützen in der entscheidenden Phase wieder zu Helden werden.
Strenger wird die Definition von Halten (Regeln 507.2 und 605.2). Als Halten gilt jetzt ausdrücklich auch das Ziehen, Zerren, Greifen oder Festhalten mit Arm oder Hand, ebenso das Wegschlagen des gegnerischen Stocks mit der Hand, ohne ihn zu greifen. Die IFF nennt Halten selbst ein großes Problem für die Attraktivität des Sports, weil es das Spiel verlangsamt und die besten Spieler ausbremst. Mit der klareren Definition sollen die Schiedsrichter konsequenter pfeifen.
Das Torhütertor zählt
Eine kleine, aber schöne Neuerung versteckt sich in der Streichung der alten Regel 7.3.5. Wirft oder kickt der Torhüter den Ball direkt ins gegnerische Tor, zählt das künftig auch. Es wird selten vorkommen, aber wenn, dann sorgt es garantiert für Gesprächsstoff.
Dazu passt die ganz neue Regel 701.3 zum technischen Tor. Hat ein Team seinen Torhüter durch einen Feldspieler ersetzt und das verteidigende Team begeht ein Vergehen, das sonst einen Penalty nach sich zöge, wird jetzt direkt auf Tor entschieden. Der Hintergrund ist die Fairness. Eine fast hundertprozentige Torchance soll nicht durch ein Foul zu einem Penalty mit deutlich geringerer Trefferquote herabgestuft werden.
Ruhe an der Bande
Das dritte große Thema ist das Bild in der Wechselzone und hier dürfte es den größten Gewöhnungseffekt geben. Nach den neuen Regeln müssen Spieler in der Wechselzone auf der Bank sitzen. Ausnahmen gibt es nur für den Wechsel selbst oder aus einem klar erkennbaren Grund, etwa um einen neuen Stock zu holen, zur Toilette zu gehen oder sich behandeln zu lassen. Auch die Betreuer bekommen feste Plätze. Sie sollen hinter der Bank stehen, nur einer darf sich zur taktischen Anweisung vor der Bank bewegen.
Die IFF argumentiert hier ungewohnt offen. Stehende Spieler werden von Bällen getroffen, verstellen dem Spielsekretariat und den Zuschauern die Sicht und tragen zu einer hektischen Stimmung bei, in der sich gefühlt 20 Leute in jede Schiedsrichterentscheidung einmischen. Auf höchstem Niveau geht das oft noch, im Jugendbereich wird es zum Problem. In Schweden lief die Regel über zwei Saisons im Test, die Teams gewöhnten sich schnell daran. Der Verband sagt selbst, dass diese Änderung anfangs nicht jedem gefallen wird, hält sie aber für nötig.
Passend dazu wird auch das Spielen mit zu vielen Spielern (Regel 605.16) konkreter gefasst. Wer in der Wechselzone einen Fuß auf die Bande stellt oder mit Körper oder Ausrüstung die senkrechte Ebene der Bande überschreitet, fällt jetzt ausdrücklich darunter, unabhängig davon, ob die Spielsituation beeinflusst wird.
Gleichzeitige Strafen, Spieleranzahl unverändert
Zwei Änderungen zielen auf das Aussprechen von Strafen ab. Werden gegen beide Teams in derselben Unterbrechung gleichwertige Bankstrafen ausgesprochen, heben sich diese künftig paarweise auf (Regel 603.9). Sie wandern zwar weiter in den Spielbericht, beeinflussen aber die Zahl der Spieler auf dem Feld nicht mehr.
Begleitet wird das von einer komplett neuen Strafe (Regel 605.27). Wer eine Auseinandersetzung anzettelt, kassiert ab sofort eine zusätzliche kleine Bankstrafe (2 min), auch wenn sonst niemand bestraft wird. Der Anstifter trägt also ein eigenes Risiko. Die Hoffnung der IFF ist simpel: mehr Floorball, weniger Gerangel.
Was sonst noch auffällt
Neben den großen Linien gibt es eine Reihe kleinerer Anpassungen, die den Alltag betreffen. Ein Team darf künftig aus Fairnessgründen auf seinen Bully verzichten, der Schiedsrichter setzt das Spiel dann mit einem Einschlag fort, statt dass jemand den Ball unnötig über die Bande schießt (Regel 505). Beim Bodenspiel (Regel 605.13) reicht schon das Spielen des Balls im Liegen mit erheblichem Vorteil, ein Beeinflussen der Situation genügt, der Ball muss dafür nicht einmal berührt werden.
Bei den persönlichen Strafen muss ein Betreuer jetzt sofort in die Kabine statt auf die Tribüne (Regeln 608.2 und 608.3). Neu ist außerdem, dass eine Matchstrafe, die nach Spielende ausgesprochen wird, während noch Personen auf dem Feld sind, klar zur Roten Karte und zur Sperre für das nächste Spiel führt. Und bei der Ausrüstung zieht die IFF die Schrauben an: Die Torhüterkleidung muss körpernah geformt sein, das Manipulieren der Kelle durch Schmelzen oder Zorro-Biegung wird ausdrücklich verboten (Regel 406.2) und beim Schmuck ist auch das Abkleben nicht mehr erlaubt (Regel 405.1).
Und nun?
Unterm Strich liest sich das neue Regelwerk, wie eine Reform mit klarer Stoßrichtung. Der Sport soll schneller, sicherer und ein Stück professioneller wirken. Die meisten Änderungen werden im Spielfluss kaum auffallen, ein paar dagegen sofort: der neue Penaltypunkt, das Aus für den klassischen Zorro und die sitzenden Bänke. Gerade Letzteres wird die ein oder andere Diskussion auslösen, wenn die Saison startet.
Foto: Felix Vatterodt



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