Final4 2026 – Zwischen Eventmagie und sportlicher Ernüchterung
- Jonas Henschler

- vor 21 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Und plötzlich ist es vorbei. Das Final4 2026 liegt hinter uns, schneller, als man schauen konnte. Selbst Hauptorganisator Paul Morgenroth brachte es am Ende treffend auf den Punkt: Die Zeit sei nur so verflogen und ja, ein bisschen Wehmut schwang definitiv mit.

Doch wie war sie eigentlich, die Atmosphäre in diesem Jahr?
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich einiges verändert. 2025 war noch geprägt von Skepsis. Der Umzug von der großen Bühne in Berlin, insbesondere der Max-Schmeling-Halle, in die kleinere Floorball-Welt von Zwickau fühlte sich wie ein Rückschritt an.
2026 dagegen? Ganz anders.
Man wusste, worauf man sich einlässt und genau das hat dem Event gutgetan. Das Final4 ist in Zwickau angekommen. Rund um die Halle entstand ein echtes Festivalgefühl: Essensstände, ein durchdachtes Rahmenprogramm und zahlreiche Side-Events verliehen eine schönen Event-Charakter.
Vom Final4 Open (dem beliebten Fanturnier) über Nachwuchswettbewerbe der U9 bis U13 bis hin zum internationalen 3-Nationen-Turnier mit Teams aus Deutschland, Österreich und Polen, wurde durchgehend etwas geboten. Die Drittelpausen waren geschmückt von Tanzeinlagen, dem Konterpass-Quiz und einigen Ehrungen. Das Event war von vorne bis hinten durchorganisiert und lebte vom Detail.
Eine kleine Floorball-Stadt
Was Zwickau besonders macht, zeigt sich abseits des Spielfelds. Die Wege sind kurz, die Community nah beieinander. Viele Fans, Spielerinnen und Spieler waren rund um die Halle untergebracht und plötzlich hatte man das Gefühl, in einer kleinen „Floorball-Stadt“ zu sein.
Überall bekannte Gesichter, Gespräche an jeder Ecke, ein Gefühl von Gemeinschaft. Etwas, das in großen Metropolen schnell verloren geht, war hier allgegenwärtig. Besonders gut dazu beigetragen hat nutürlich auch eine Feierlichkeit am Samstagabend.
Sportlich?
So viel zum Event, aber was ist mit dem, worum es eigentlich geht?
Dem Sport. Na klar. ;)
Und hier wird es etwas komplizierter.
Denn so schön das Drumherum war: Die Spiele selbst konnten nicht immer mithalten. Viele Begegnungen blieben hinter den Erwartungen zurück, Spannung war eher Mangelware
.
Halbfinals: Klare Verhältnisse mit wenigen Ausnahmen
Bei den Damen eröffnete das Spiel zwischen BB United Berlin und MFBC Leipzig das Turnier. Die Rollen waren klar verteilt und das spiegelte sich auch im Ergebnis wider: 1:12 aus Berliner Sicht. Zwar zeigte BB United phasenweise Mut, gab mit einer Spielerin im 2-2-1 Druck, doch Leipzig blieb souverän.
Spannender wurde es im zweiten Halbfinale zwischen den Dümptener Füchse und den Red Devils Wernigerode. Ein Spiel, welches ehe auf Augenhöhe stattfand, mit dem besseren Ende für die Füchse (4:1), auch weil die Devils ihre Chancen nicht konsequent nutzten...
Bei den Herren setzte sich SSF Dragons Bonn gegen die Floor Fighters Chemnitz mit 11:4 durch, ein Ergebnis, das deutlicher wirkt, als das Spiel tatsächlich war. Wie zu erwarten wurde das Spiel zum Ende hin sehr emotional, beide Teams sind aus den Playoffs ausgeschieden und waren natürlich absolut heiß auf den Titel.
Das Highlight des Tages folgte jedoch im Derby zwischen UHC Sparkasse Weißenfels und dem MFBC Leipzig. Das 4:2 für Weißenfels klingt knapp, dennoch behielt Weißenfels stetig die Oberhand. Zwei aberkannte Tore der Weißenfelser nach Videobeweis sorgten zusätzlich für Gesprächsstoff. Mehr dazu im aktuellen Konterpass Podcast.
Die Finals
Im Damenfinale ließ der MFBC Leipzig nichts anbrennen. Gegen die Dümptener Füchse zeigte man eine kontrollierte Leistung und gewann verdient mit 8:3. Auch wenn Spielerinnen wie Anna-Lena Best mit späten Treffern noch Ergebniskosmetik betrieben, stand der Sieger früh fest.
Bei den Herren trafen die routinierten Weißenfelser auf die erstmaligen Finalisten aus Bonn. Die Dragons spielten geduldig, wollten das Tempo kontrollieren, doch Weißenfels war einfach effizient. Am Ende stand ein souveräner 4:2-Erfolg und der nächste Pokaltitel.
Ehrungen über Ehrungen...
Neben den Spielen gab es auch wieder zahlreiche Auszeichnungen. Besonders spannend in diesem Jahr neu: die Kategorie „Rookie der Saison“. Bei den Damen wurde Leonie Schubert (SC Potsdam/ Red Devils Wernigerode) geehrt, bei den Herren Noah Wolbold (SC DHfK Leipzig).
Die Analyse der Spiele fällt vielleicht etwas zu nüchtern aus.
Aber das ist mit Nichten so.
Denn das Final4 2026 war vor allem eines: ein starkes Event. Mit Herz organisiert, mit Liebe zum Detail umgesetzt und getragen von einer Community, die den Sport lebt.
Ein großes Dankeschön geht an den UV Zwigge 07 und Floorball Deutschland, die mit diesem Event die Floorball-Euphorie in einigen Köpfen hoffentlich weiter vorangetrieben haben. Foto: Felix Vatterodt



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